Ein Magazin, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu empören..
Die neue "Israelkritik" des Sigmar Gabriel

Die neue “Israelkritik” des Sigmar Gabriel

Gabriels Äußerungen zur Lage in Hebron zeigen eine neue Dimension der Israelkritik. Dabei übersieht der SPD-Vorsitzende Wesentliches, kommentiert Kevin Zdiara. Gabriels Äußerungen zur Lage in Hebron zeigen eine neue Dimension der Israelkritik. Dabei übersieht der SPD-Vorsitzende Wesentliches, kommentiert Kevin Zdiara.
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Diez vs. Kracht - Was trifft, trifft auch zu

Diez vs. Kracht – Was trifft, trifft auch zu

Es gibt eine Literaturkontroverse in Deutschland. Wer jetzt eingeschlafen ist: I hear you. Aber so ganz knallhart uninteressant ist die Angelegenheit Diez vs. Kracht nicht, und was soll man sonst an diesem verhangenen Schabbat machen, als darüber nachzudenken.

Also: Georg Diez, Kulturkritiker und Blogger für den Spiegel , hat am Montag den neuen Roman „Imperium“ vom Ex-Popliteraten Christian Kracht in einer Rezension verrissen, und sah in der „Methode Kracht“ rechtes Gedankengut, Rassismus gar, auf jeden Fall Demokratiefeindlichkeit. Sofort kamen heftige Widersprüche aus allen Ecken, am Montag wird der Kiepenheuer & Witsch-Verlag (bei dem, oh Kontroverse, sowohl Diez als auch Kracht veröffentlichen) einen offenen Brief im Spiegel abdrucken lassen, bei dem 17 Schriftsteller (darunter Stuckrad-Barre, der selbst genug Dreck am Stecken hat, und Alexa Hennig von Lange, die daran erinnern möchte, dass es sie noch gibt) sich solidarisch mit Kracht erklären.

Nun halte ich Georg Diez mit seinen Texten für einen der wenigen Guten. Generell seine Haltung: Weniger Deutschland, mehr Freiheit, und darauf kann man sich doch einigen. Sicher, manche seiner Kolumnen für den Spiegel-Blog sind fast Totalausfälle. Und zu oft klingt es vielleicht so, als ob hier jemand um jeden Preis wie Maxim Biller klingen will. Aber wie Maxim Biller klingen wollen ja viele, myself included, und Georg Diez schafft es manchmal sogar: Sätze wie “Sie wollen sie bei “Wetten, dass …?” neben Naomi Campbell sitzen sehen und sich so ihre Gedanken machen.” (über Maria Furtwängler und ihr Deutsches Publikum) oder “Er schreibt so, wie sein Nachname klingt.” (über Reinhard Jirgl) schneiden ins Fleisch der Lügen, ganz unironisch.

Wegen diesen Lügen nun ist Christian Kracht überhaupt erst zu seinem Erfolg gekommen. (Das und wegen seines pervers wohlhabenden und einflussreichen Vaters.) Meine einzige positive Assoziation: Dass er mal Indien-Korrespondent für den Spiegel war, am Pool mit einem Cocktail lag, als die Nachricht vom Tod Mutter Teresas kam und er zu faul war, aufzustehen und das dem Spiegel-Büro zu kabeln.

Deutsche Literatur ist mir nichts – zu viele goyische Typen, die darüber schreiben, wie das so ist, als goyischer Typ – ein objektives Urteil über den Wert seiner Literatur darf man also nicht von mir erwarten. Was ich sagen kann: Dass mich Faserland mit seiner verspäteten Brat Pack-Attitüde ganz gehörig angeödet hat, und alles danach nur noch Baudrillard-Scheiße war. Alles nur Simulacrum, alles nur Oberfläche. Und in Interviews spricht er immer nur so, als ob er Thomas fuckin Mann wäre, „das weiß nicht zu gefallen“, „dies so zu formulieren mag angemessen sein“.

Warum jetzt fast alle Feuilletons und Literaturkritiker ins Kracht-Camp eilen: Keine Ahnung. Vielleicht hat sich Diez mit diesem Text zu viele Feinde gemacht, vielleicht muss Kracht einfach eine Fetisch-Lücke füllen, wo Ernst Jünger doch tot, Thor Kunkel zu dämlich und Botho Strauß einfach zu langweilig ist.

Trotz allem Exotismus seiner „Ich lebe in der ehemaligen jugoslawischen Botschaft in Bangkok“-Routine: Christian Kracht macht stets den Eindruck eines Menschen, der es nicht ganz so schlecht fände, wenn alle so wären wie er. Und das ist doch eine ziemlich gute Definition von „rechtem Gedankengut“. Ob die Rezension von Diez jetzt akkurat ist oder nicht, spielt eine kleinere Rolle: Der Vorwurf trifft.

Es geht hier nicht nur um einen langweiligen und hochgewinselten Literaturskandal in Deutschland. Es geht hier doch um etwas anderes, etwas tatsächlich wichtiges: Das elementare Recht (der Publizistik und auch sonst), Arschlöcher öffentlich scheiße zu finden.

Ausgeprangert

Ausgeprangert

Ein Gespenst geht um in der Medienlandschaft: Der „Burn-out“. Darüber kann man ja nun ganz offen reden. Nur: Burn-Out als Krankheit gibt es überhaupt nicht. Die Krankheit, die die Betroffenen eigentlich haben, heißt Depression – nur dass man das Kind irgendwie nicht beim Namen nennen will. Und da liegt auch schon der Hase im Pfeffersack: Das Phänomen Burn-Out kann man irgendwie toll in seinen Lebenslauf packen: Man war mal ausgebrannt, fertig – man hat im sich in seinem Job so ereifert, dass man einfach eine Pause braucht. (weiterlesen …)

Die schwarz-weiße Brille der FAZ

Die schwarz-weiße Brille der FAZ

Gott und die Welt spricht von der “braunen Zelle” aus Zwickau, doch der verantwortliche Redakteur der FAZ-Innenpolitik ist überzeugt davon, dass die Taten der drei Neonazis nichts mit Thilo Sarrazin oder Fremdenfeindlichkeit zu tun haben. “Diese Taten haben vielleicht mit Verwahrlosung zu tun, mit Perspektivlosigkeit, mit der kriminellen Energie autoritärer Charaktere, die nichts mit einer offenen Gesellschaft anfangen können”, schreibt Jasper von Altenbockum, aber um Gottes Willen nichts mit Ausländerfeindlichkeit in Deutschland. (weiterlesen …)

Volle Fahrt voraus - und Kurs aufs Riff!

Volle Fahrt voraus – und Kurs aufs Riff!

Ich bin im Netz aktiv, ich kannte Facebook schon als es noch StudiVZ hieß, Twitter les ich genauso wie SMS. Wieso ich deswegen eine Partei gut finden soll, bloß weil da diejenigen, die man im Sandkasten nicht mal beworfen hätte, weil die auch schon ohne Sand im Gesicht die ärmsten Gurken auf dem Spielplatz waren, sich aufschwingen, Meinungsführer_innen zu sein, verstehe ich nicht. Die Piratenpartei ist die Partei der besserwisserisch tuenden Nichtwisser_innen: Wirtschaft ist nicht ihr Thema, schön und gut, sie arbeiten dran – seit fünf (!) Jahren mittlerweile. (weiterlesen …)

By the Almighty’s balls…

Charlotte Roche hat ein neues Buch geschrieben. Das ist ihr zweites nach dem Bestseller “Reaktionärer Feuilleton-Dreck” “Feuchtgebiete”. Es heißt “Schoßgebete” und handelt von Blow-Jobs vom ehelichen Sex. Der echauffier hat einen exklusiven Auszug erhalten.

Peter wollte mal wieder ordentlich durchgenommen werden. Das ist bei uns anders als bei anderen Paaren. Bei anderen Paaren hieße es “Kathrin wollte mal wieder ordentlich durchgenommen werden”. Aber seitdem auch wir uns über die Gender-Problematik unterhalten haben, während ich ihm mit meiner Zunge den Käse unter der Vorhaut gierig weggeleckt habe (“Brie-Zeit”, wie er das liebevoll nennt, oder “Katzendusche”), hat sich in unserem Sprachgebrauch unglaublich viel verändert.

Die Autorin über das Buch:

Ey, Alte, für gewöhnlich muss ich nach einer Achterbahn der Gefühle kotzen. Then again: Vielleicht lese ich vorher Feuchtgebiete, dann ist im Magen nicht mehr viel übrig. Ich…ähm…schwöre.

Oder wie Marquis de Sade sagen würde (Zitat aus 120 Days of Sodom):

“Ah, by the Almighty’s balls,” Curval shouted toward the Bishop’s niche, “you’re afraid for your flock. But what difference would two more or two less make? Well, Monsieur le Duc, you’ve heard Monseigneur the Bishop’s suggestion, let’s go to the boudoir, but we’ll go together, for it’s all too evident these other gentlemen wish to avoid a scandal tonight.”

Der Goldene Vollpfosten: Heiner Geißler

Der Goldene Vollpfosten: Heiner Geißler

Freunde, Freunde, Freunde, wenn hier weiterhin jeder den Vogel abschießt, haben wir bald keine Vögel mehr. Heiner Geißler hat besonders sorgfältig gezielt und sich nicht nur nationalsozialistischer Sprache bedient (“Wollt ihr den totalen Krieg?”), sondern diese auch noch in einem Interview mit dem DeutschlandFunk mit der trotzigen Haltung eines Kindes verteidigt, das am Mutterrock nach einem Bonbon schreit und einfach nicht die Schnauze halten will. Der Moment, an dem im Hintergrund eine besorgte Pflegerin “Heiner, telefonierst Du schon wieder mit Journalisten? Du weißt doch, Du solltest das nicht tun!” ruft, ist leider nicht gekommen. (weiterlesen …)

"Gentrifi..." - "Lass' mal über Haie reden!"

“Gentrifi…” – “Lass’ mal über Haie reden!”

Momentan läuft auf Spreeblick die Aktion “Open Spreeblick”. Das ist eine schöne Idee, denn nur selten haben “gewöhnliche” Blogger und Bloggerinnen die Chance, ihre Texte einem so großen Publikum zu präsentieren.
Am 26.07.11 tauchte dort ein Artikel mit dem Namen “Lasst den Prenzlberg in Ruhe!” auf. Die Autorin regte sich darüber auf, dass alle über den Prenzlberg herzögen und wie schlimm es sei, sich ständig rechtfertigen zu müssen, dort zu wohnen.
Man könne doch nichts dafür, dass die ganzen alten Häuser saniert werden und sowieso: “Hat mal jemand in so einem alten Haus gewohnt? Das ist doch ganz grausam!” – naja. Im Großen und Ganzen sollte der Text nur zeigen, dass die Autorin stolz ist, auf dem Prenzlauer Berg zu wohnen, weil “der Kollwitzplatz jetzt in jedem Berlin-Reiseführer erwähnt wird”. Und die Rundumerneuerung habe ja auch noch den großen Vorteil, dass endlich die ganzen “Assi-Familien” verschwänden. (weiterlesen …)

Der Goldene Vollpfosten: Manfred Schermer

Der Goldene Vollpfosten geht an: Manfred Schermer von der Fuldaer Zeitung. Er hat einen grandios reaktionären Artikel geschrieben, voll mit dämlichen Behauptungen und noch dämlicheren Schlussfolgerungen, die selbst dann nicht besser wären, wenn tatsächlich irgendwelche Islamisten jene Tat in Oslo verübt hätten. Ein Paradebeispiel dafür, dass es Klowände mit grenzwertigen Schmierereien nicht nur im Internet gibt. Toll, Herr Schermer, jetzt mal schön die Beule kühlen – so’n Pfosten tut ja auch ganz schön weh.

Der Text ist (natürlich) online nicht mehr zu erreichen. Dank geht an Stefan Niggemeier, der den obigen Ausschnitt noch retten konnte, bevor es zu spät gewesen ist.

Zwei Rebellen in Kuschellaune

Zwei Rebellen in Kuschellaune

Wohl wahr, der 1. Juni ist schon eine Weiler her, aber also mir vor ein paar Tagen in den Sinn kam, dass das neue Buch „Engagiert Euch!“ von Stéphane Hessel erscheint, da erinnerte ich mich auch an diese unsägliche Debatte in der „Zeit“. „Zwei Rebellen im Gespräch“ heißt es da: Gemeint sind eben jener Stéphane Hessel und Richard David Precht (ich habe allerdings keine Ahnung, was ihn zum Rebellen macht). (weiterlesen …)

Eigentlich sollten wir das nicht mehr lesen

Eigentlich sollten wir das nicht mehr lesen

Die NEON, Hort für Leute, die eigentlich erwachsen werden wollten, aber offensichtlich hängen geblieben sind, veröffentlicht in regelmäßigen Abständen zutiefst Besorgnis erregende Einblicke in die Leben derjenigen, die eigentlich erwachsen werden wollten, aber offensichtlich hängen geblieben sind. Mit so Titelgeschichten wie “Guter Job oder große Liebe?”, “Lieb mich, wie ich bin”, “Hält Deine Liebe für immer?”, “Freiheit statt Liebe”, “Liebe braucht Eifersucht”, “Die Liebe ohne Ende” oder “Ich liebe Dich trotzdem”, meistens begleitet von einer nichtssagenden Fotografie, erobert sie Monat für Monat die Aufmerksamkeit einer offensichtlich vom bunten Angebot begeisterten Leserschaft. Toll! (weiterlesen …)

Keine Nazis. Nirgendwo. Dabei bleibt es.

Keine Nazis. Nirgendwo. Dabei bleibt es.

Die echauffier-Redaktion musste mit Schrecken und Ablehung feststellen, dass eine kleine Gruppe von Nazis die vergangene Releaseparty besuchte. Wie ein (zu Recht) empörter Gast und Echauffier-Leser in einer Mail an uns feststellt, machten die Anwesenden, von denen mindestens einer Thor-Steinar Klamotten trug, aus ihren „Herzen keine Mördergrube“. (weiterlesen …)

Stéphane Hessel und das Ding mit der Wechselwirkung

Stéphane Hessel und das Ding mit der Wechselwirkung

AUS DER AKTUELLEN AUSGABE #2

Stéphane Hessels Buch „Empört Euch!” stürmte erst die französischen und dann die deutschen Bestsellerlisten. Doch eine Frage bleibt: Wieso erfährt ein Buch, das mehr oder weniger plump zur Empörung aufruft und auf eigentlich altbekannte Probleme verweist, einen derartigen Höhenflug? Dass es obendrein auch krude Ansichten vermittelt, moniert Sören Musyal (weiterlesen …)